google/medien-welt/erzeugungsmaschine

google ist nicht nur eine suchmaschine, die mensch beim auffinden von informationen im www hilft, sondern zudem auch eine medien/welt- erzeugungs- und verzerrungsmaschine, also irgendwie auch ganz schoen boese. so jedenfalls konnte ich gestern in einem aelteren artikel auf tagesschau.de lesen. dort heißt es:

    Nicht erst jetzt hat Google misstrauische Beobachter: So enorm das Unternehmen das Auffinden von Informationen vereinfacht hat, so kritisch werden mögliche Folgen von Googles Ausnahmestellung gesehen. Nicht selten benutzen zum Beispiel Medien die Anzahl der Google-Treffer zu einem Begriff als Indiz für dessen Popularität. „Google bietet ein verzerrtes Bild der medialen Welt. Diese Zerrbild wirkt wiederum auf die Medien zurück“, sagt der Fachjournalist Jochen Wegner. Im Extremfall gilt andersherum manchmal bereits: Was Google nicht findet, existiert nicht.

die medienkritik dreht hier eine weitere schleife. gelten traditionelle medien bereits als weltverzerrer, in dem sie eine eigenstaendige medienrealitaet konstruieren, scheint nun google wiederum diese medienrealitaet zu verkehren. da kann mensch schon ganz schoen schwindelig werden.

sinnvoller als das bestaendige insistieren auf irgendwelche objektiven wirklichkeiten, die verzerrt wuerden, scheint mir, zunaechst einmal hinzunehmen, dass wirklichkeit immer schon konstruktion bedeutet und nie objektiv sein kann. in diesem zusammenhang ist nun einzig interessant zu schauen, wie solche konstruktionen machtvoll (re-)produziert werden und wie diese sich unter umstaenden verschieben lassen. diesen verschiebungs-praktiken liegen dann vielleicht wage ideen von einem besseren leben zugrunde. anspruch auf objektivitaet koennten aber auch sie nicht behaupten.

feminismus-wochen

Ob da „wohl jemand etwas nicht ganz verstanden“ hat, wie es im maedchenblog ueber die feminismus-wochen eines moebelkaufhauses heißt, weiß ich nicht so genau. vielleicht haben die verantwortlichen dieser werbekampagne ja gerade etwas ganz gut verstanden; naemlich wie sich aufmerksamkeit erzielen laesst…
besser als sich ueber ein solches wohl ganz bewusstes ‚missverständnis‘ des feminismus zu wundern und zu aergern, erscheinen mir da die vorschlaege, die sich bei der brennenden konsensfabrik finden lassen.
plakativ: alles (gender trouble, aber auch schicke kuechen) fuer alle – und zwar umsonst!

symbolische aktion

ein kleiner nachtrag zu medieninszenierungen 1:
wenn auch auf einen anderen zusammenhang bezogen (und wenn auch wohl nicht davon ausgegangen werden kann, dass die kassenaerztliche bundesvereinigung irgendwie mit subversivitaet assoziierbar ist) musste ich beim lesen ueber die mietdemonstrant_innen doch an einen abschnitt aus dem requiem fuer die medien von jean baudrillard denken:

    keineswegs wurde diese aktion durch die verbreitung und ansteckung durch die massenmedien zur symbolischen aktion. heute genuegt allerdings mehr und mehr diese letztere annahme (der einfluss der massenhaften verbreitung), um die symbolische aktion zu definieren. im grenzfall wird der subversive akt nur mehr im dienst seiner reproduzierbarkeit hervorgebracht. er stellt keine erfindung mehr da, sondern wird von vornherein als modell, als geste produziert.

naja, interessant erscheint vor diesem hintergrund auch, manche optimistischen aufrufe gegen den g8-gipfel im sommer zu lesen…beispielsweise diesen der antifajugend frankfurt/main.

medieninszenierungen 1

gemeinhin wird den medien ja unterstellt sie wuerden die realitaet verzerren, falsch darstellen und ueberhaupt viel schlechtes tun. so wussten auch adorno/horkheimer um den verblendungszusammenhang, den die kulturindustrie herstellen wuerde. was aber, wenn nun die realitaet sich ganz demonstrativ in mediengerechter pose darbietet? wer soll sich da noch auskennen? und wer manipuliert eigentlich wen, wenn auf einmal gar keine echten demonstranten mehr auf die straße gehen?

gluecklicherweise behalten die sonst so gescholtenen medien bei dem durcheinander den ueberblick und ueben nun ihrerseits kritik an unechten demonstrant_innen wie mensch zum beispiel in der
welt oder auch in der netzeitung lesen kann.

aber kann mensch denen wirklich trauen?